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Kochbuch-Liebling: Liebe Eltern,…

Kochbuch für Eltern

Das Buch der Autoren Thomas Elliott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie, und Food-Journalistin Jacqueline Vogt schreibt sich auf die Fahnen, beziehungsweise den Umschlag, eine „Initiative des guten Geschmacks“ zu sein. Und tatsächlich, dieses Motto zieht sich durch das gut 200 Seiten starke Buch wie ein roter Faden.

Lieblingsspeisen, der „echte“ Geschmack von „ehrlichem“, bodenständigen Essen, gute und gesunde Zutaten – darum geht es. Dabei ist das Kochbuch kein spezielles Kleinkind-Kochbuch – denn die Kapitel sind nach Altersstufen unterteilt – von Baby über Kleinkind bis hin zu dem beiden Abschnitten von 4  bis 7 Jahre sowie 8 bis 10 Jahre. Damit deckt Liebe Eltern,… das komplette Spektrum vom Baby bis hin zum Ende des Grundschulalters ab – entsprechend variieren auch die Rezepte von Brei bis hin zu durchaus fancy Gerichten für die Größeren.

Dass an dem Buch Profiköche von Jeunes Restaurateurs d’Europe mitgearbeitet haben, merkt man den Rezepten an, vor allem im Teil für die älteren Kinder. Da gibt es schon einmal ein Rindercarpaccio, Rotkohl mit Popcorn-Topping oder Tafelspitzbrühe mit Markklößchen. Das ist sicherlich keine Alltagsküche, die man schnell mal zwischen Windelwechseln und Spülmaschine anwerfen hinbekommt. Aber die Rezepte haben einen besonderen Dreh, vor allem diejenigen, die Altbekanntes wie Schnitzel oder Kinderlieblinge wie Burger auf neue Art und Weise aufbereiten und damit frischen Wind in die Küche bringen.

Einen ausführlichen Ratgeber-Teil gibt es gleich mit dazu

Ein kleiner Nachteil speziell aus Kleinkind-Eltern-Sicht ist sicherlich, dass Liebe Eltern,… kein spezifisches Kochbuch für die Kleinkind-Küche und der Part für die Ein- bis Dreijährigen dementsprechend seitenmäßig begrenzt ist. Dafür erhält man neben den Rezepten aber gleich einen kompletten Ratgeber mitgeliefert. Viele Themen, die wir auch hier auf dem Portal besprechen wie Mischkost, Gewürze oder auch der richtige Umgang mit kleinen Essenverweigerern fließen informativ und übersichtlich ein. So bekommt man neben einem reinen Kochbuch auch gleich einen ausführlichen Grundsatz-Ratgeber für die Ernährung vom Baby bis hin zum Grundschulkind geliefert.

Industrie, nein danke!

Zudem sieht sich das Buch in der besonderen Aufgabe, natürliches Essen zu fördern und vorzustellen. Der komplette Titel lautet nämlich „Liebe Eltern, überlassen Sie die Ernährung Ihres Kindes nicht der Lebensmittelindustrie!“ Wer daher allerdings darauf schließt, dass es im Buch dann auch tatsächlich eine kritische Auseinandersetzung mit der Industrie und ihren Produkten gibt, wird enttäuscht. Denn in der direkten Diskussion kommt dieses titelgebende Thema nicht mehr vor. Der Gedanke, der dahinter steckt, ist (neben einem aussagekräftigen und verkaufsfördernden Titel) vielmehr das Ziel, die Freude am natürlichen und unbehandelten Lebensmittel und Geschmack beim Leser zu wecken.

FAZIT: Kein Buch für jeden Tag, aber informativer Ratgeber

Wer auf der Suche nach einem Buch ist, das neben Rezepten auch einen toll aufbereiteten und fundierten Ratgeber-Teil bietet, ist hier richtig. Die Rezepte sind mitunter recht anspruchsvoll und nicht unbedingt für die Alltagsküche geeignet, weil sie teilweise recht viel Vorbereitung bedürfen. (Zeitangaben zur Zubereitungszeit fehlen zudem gänzlich). Aber sie beleuchten eine etwas andere Perspektive des Themas Kinderküche und sind mit Liebe ausgewählt und präsentiert. Die Zutaten sind manchmal etwas gewöhnungsbedürftig (Stichwort Veilchenzucker oder Markklößchen), aber als Inspiration dafür, was man mit Lebensmitteln alles zaubern kann, ist das Buch eine tolle Grundlage. Enttäuschend ist  in der Gesamtbetrachtung der etwas reißerische Titel, aber das macht der toll geschriebene und fundierte Ratgeber-Teil mehr als wett.

Liebe Eltern, überlassen Sie die Ernährung ihres Kindes nicht der Nahrungsmittelindustrie! Neuer Umschau Buchverlag, 2015.

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