Alltagskram Familie

Es gibt Brei, Baby! Oder: Ich hol schon mal das Fleckenspray raus

Leeres Glas Babybrei und Lätzchen

Seit gut zwei Wochen isst das Baby also Brei. Ein Meilenstein! Von denen gibt es im ersten Lebensjahr so einige (Lächelt zum ersten Mal. Kann sich zum ersten Mal umdrehen. Kann sitzen. Kann krabbeln. Kann laufen. Brabbelt erste unverständliche Silben). Einschneidend sind sie alle, aber beim Thema Essen geht es noch um mehr: Denn da sind die Eltern auch involviert. Sie sind es schließlich, die das Essen zubereiten und damit die ziemlich hohe Bürde auf sich nehmen, unter Umständen das Geschmacksempfinden eines Menschen für sein restliches Leben zu prägen.

Der erste Babybrei ist ein Ereignis

Kein Wunder, dass es Ratgeber noch und nöcher gibt. Sogar von Brei-Kochkursen habe ich schon gehört. Und klar, der erste Brei ist ein echtes Ereignis, auf das man sich gerade beim ersten Kind sorgfältig vorbereitet. Das habe ich nicht anders gemacht. Ganz nach System: Erst eine ausgewählte Gemüsesorte, eine Woche lang. Am besten Kürbis oder Pastinake, das ist schön mild. Dann langsam, ganz langsam die nächste Sorte. Ein wenig Kartoffel dazu, dann das Fleisch. Das Öl nicht vergessen! Und den Schuss Fruchtsaft!

Und erst das Praktische: Wie bekomme ich bloß den Brei in das Kind? Und warum nur spuckt es alles aus, was ich mit Liebe geköchelt und püriert habe? Und wie ist das mit dem Einfrieren?

Mit der Zeit kommt glücklicherweise die Routine. Man wird lässiger, wechselt frisch gekocht mit Gläschen ab, mixt Zutaten wild zusammen, probiert aus, was dem Baby schmeckt. Und irgendwann sitzt es da und isst Spaghetti. Unpüriert. Das Kind wird groß.

Beim nächsten Kind ist alles entspannter

Dann kommt vielleicht ein zweites und, wenn man ganz verrückt ist, so wie wir, noch ein drittes. Und genau dieses dritte Kind isst nun also seit zwei Wochen Brei. Wobei essen ist eventuellerweise das falsche Wort. So ganz erkennt er nämlich noch nicht den Sinn hinter der Sache mit dem Brei und dem Löffel. Je nach Tagesform schmeckt ihm das Essen ganz gut (Favorit: Pastinake-Karotte) bis gar nicht (alles wird sofort wieder mit der Zunge hinausbefördert).

Ganz besonders witzig findet er gerade das Spiel, bei vollem Mund mit den Lippen zu prusten und zu beobachten, wo der Brei so überall landet (auf sich selbst, auf Mamas frisch gewaschenem Kleid, auf dem Sofa, das zwei Meter entfernt steht …) Ich bin in diesen Momenten der Pastinake sehr dankbar, dass sie so schön farblos ist, nur leider macht er das Spiel am liebsten mit Karotte oder Kürbis – also alles was bunt leuchtet und schwer wieder aus der Kleidung entfernt werden kann.

Gelassen bleiben!

Das Gute daran, wenn einem so was mit dem Dritten passiert: Man bleibt echt gelassen. Klar, er ist jetzt sechs Monate alt, da sollte er langsam schon mal mehr als nur Muttermilch bekommen. Aber ehrlich gesagt, bin ich nach mittlerweile sechs Jahren als Mutter von „Nudeln mit ohne Soße“ und „Igitt, da ist was Grünes dran“-Kindern sowieso einiges gewohnt.

Und so püriere ich jeden Tag geduldig, lass mich immer mal wieder ein wenig anspucken, entdecke meine Liebe zu dunkler Kleidung und hohen Waschtemperaturen wieder und freue mich auf die Zeit, wenn der Sohnemann endlich sitzen kann. Dann wird es glaube ich etwas einfacher. Zumindest kann ich mich dann aufs Füttern konzentrieren und muss ihn nicht auch noch gleichzeitig vor dem Absturz vom Schoß bewahren (der kleine Zappler).

Die Zeiten der exakten Pläne –  also Woche 1 so, Woche 2 dann so –  seien sowieso vorbei, erzählte mir kürzlich eine Freundin. Der Kinderarzt nickt, als ich ihn darauf anspreche. „Geben Sie gerne auch mal was von dem, was sie eben gerade auf dem Teller haben“, sagt er. Ohne Salz und Gewürze versteht sich und dass wir hier jetzt nicht von einem Osso Buco in Rotweinsoße reden, ebenso.

Was schmeckt dir denn so, mein Kind?

Puh, denke ich, das ist ja schon mal was. Derweil probiere ich ein wenig Baby-led Weaning, denn ich habe so das Gefühl, das gefällt dem Bub. Das Stück Gurke mag er, auch den Apfelschnitz. Es bleibt beim Herumlutschen, denn Zähne sind halt noch keine da. Die schöne, superweiche Avocado allerdings, die man mit der Zunge zerdrücken könnte, verschmäht er.

Dann halt wieder Pastinake-Karotte. Es wird! In 2 Wochen werde ich dann mal mit dem Abendbrei starten – der war seinen Geschwistern auch viel lieber als das geschmacklose Gemüse zur Mittagsmahlzeit. Und das Gläschen mit Spaghetti Bolognese steht ebenfalls bereit. Ich kenne nämlich kein Kind, das diese Geschmacksrichtung verweigert hätte.

Derweil werde ich auch wieder zur Expertin für Fleckenentfernung: So von wegen in die Sonne legen gegen die orangenen Karotte-Kürbis-Hinterlassenschaften. Ich experimentiere mit Konsistenzen (eher fester oder eher flüssiger?), verfluche den Pürierstab (lieber im Mixer, zumindest am Anfang, wenn wirklich keine Stücke drin sein sollen) und, ja, ich lese wieder Ratgeber.

Fahrplan für die Beikostphase

Praktischerweise schreibe ich an einem mit – an diesem Portal nämlich und weiß immer, wen ich fragen kann. Und um unser Expertenwissen zu teilen, haben wir übrigens eine tolle Infografik für euch entworfen, die euch durch Babys erstes Jahr führt. Vom ersten Brei bis hin zum eigenständigen Essen mit der ganzen Familie – es ist immer wieder unfassbar, was alles in solch einer kurzen Zeitspanne passiert! Ich seh mich jetzt schon am Tisch sitzen und mit einem Kleinkind kämpfen, das plärrt „Mammaaaaaaaaa, ich will die Nudeln doch nur mit ohne Soße!!!“.

Ach, wenn ich es mir recht überlege, dann ist diese Breiphase doch eigentlich noch recht chillig, im Vergleich zu dem, was noch kommt. Darauf eine Pastinake!

Foto: Fotolia/Kaesler Media

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