Familienleben

Es gibt Brei, Baby! Oder: Ich hol schon mal das Fleckenspray raus

Veröffentlicht am 1. August 2018
Babybrei

Seit gut zwei Wochen isst das Baby also Brei. Ein Meilenstein! Von denen gibt es im ersten Lebensjahr so einige (LĂ€chelt zum ersten Mal. Kann sich zum ersten Mal umdrehen. Kann sitzen. Kann krabbeln. Kann laufen. Brabbelt erste unverstĂ€ndliche Silben). Einschneidend sind sie alle, aber beim Thema Essen geht es noch um mehr: Denn da sind die Eltern auch involviert. Sie sind es schließlich, die das Essen zubereiten und damit die ziemlich hohe BĂŒrde auf sich nehmen, unter UmstĂ€nden das Geschmacksempfinden eines Menschen fĂŒr sein restliches Leben zu prĂ€gen.

Der erste Babybrei ist ein Ereignis

Kein Wunder, dass es Ratgeber noch und nöcher gibt. Sogar von Brei-Kochkursen habe ich schon gehört. Und klar, der erste Brei ist ein echtes Ereignis, auf das man sich gerade beim ersten Kind sorgfĂ€ltig vorbereitet. Das habe ich nicht anders gemacht. Ganz nach System: Erst eine ausgewĂ€hlte GemĂŒsesorte, eine Woche lang. Am besten KĂŒrbis oder Pastinake, das ist schön mild. Dann langsam, ganz langsam die nĂ€chste Sorte. Ein wenig Kartoffel dazu, dann das Fleisch. Das Öl nicht vergessen! Und den Schuss Fruchtsaft!

Und erst das Praktische: Wie bekomme ich bloß den Brei in das Kind? Und warum nur spuckt es alles aus, was ich mit Liebe geköchelt und pĂŒriert habe? Und wie ist das mit dem Einfrieren?

Mit der Zeit kommt glĂŒcklicherweise die Routine. Man wird lĂ€ssiger, wechselt frisch gekocht mit GlĂ€schen ab, mixt Zutaten wild zusammen, probiert aus, was dem Baby schmeckt. Und irgendwann sitzt es da und isst Spaghetti. UnpĂŒriert. Das Kind wird groß.

Beim nÀchsten Kind ist alles entspannter

Dann kommt vielleicht ein zweites und, wenn man ganz verrĂŒckt ist, so wie wir, noch ein drittes. Und genau dieses dritte Kind isst nun also seit zwei Wochen Brei. Wobei essen ist eventuellerweise das falsche Wort. So ganz erkennt er nĂ€mlich noch nicht den Sinn hinter der Sache mit dem Brei und dem Löffel. Je nach Tagesform schmeckt ihm das Essen ganz gut (Favorit: Pastinake-Karotte) bis gar nicht (alles wird sofort wieder mit der Zunge hinausbefördert).

Ganz besonders witzig findet er gerade das Spiel, bei vollem Mund mit den Lippen zu prusten und zu beobachten, wo der Brei so ĂŒberall landet (auf sich selbst, auf Mamas frisch gewaschenem Kleid, auf dem Sofa, das zwei Meter entfernt steht …) Ich bin in diesen Momenten der Pastinake sehr dankbar, dass sie so schön farblos ist, nur leider macht er das Spiel am liebsten mit Karotte oder KĂŒrbis – also alles was bunt leuchtet und schwer wieder aus der Kleidung entfernt werden kann.

Gelassen bleiben!

Das Gute daran, wenn einem so was mit dem Dritten passiert: Man bleibt echt gelassen. Klar, er ist jetzt sechs Monate alt, da sollte er langsam schon mal mehr als nur Muttermilch bekommen. Aber ehrlich gesagt, bin ich nach mittlerweile sechs Jahren als Mutter von „Nudeln mit ohne Soße“ und „Igitt, da ist was GrĂŒnes dran“-Kindern sowieso einiges gewohnt.

Und so pĂŒriere ich jeden Tag geduldig, lass mich immer mal wieder ein wenig anspucken, entdecke meine Liebe zu dunkler Kleidung und hohen Waschtemperaturen wieder und freue mich auf die Zeit, wenn der Sohnemann endlich sitzen kann. Dann wird es glaube ich etwas einfacher. Zumindest kann ich mich dann aufs FĂŒttern konzentrieren und muss ihn nicht auch noch gleichzeitig vor dem Absturz vom Schoß bewahren (der kleine Zappler).

Die Zeiten der exakten PlĂ€ne –  also Woche 1 so, Woche 2 dann so –  seien sowieso vorbei, erzĂ€hlte mir kĂŒrzlich eine Freundin. Der Kinderarzt nickt, als ich ihn darauf anspreche. „Geben Sie gerne auch mal was von dem, was sie eben gerade auf dem Teller haben“, sagt er. Ohne Salz und GewĂŒrze versteht sich und dass wir hier jetzt nicht von einem Osso Buco in Rotweinsoße reden, ebenso.

Was schmeckt dir denn so, mein Kind?

Puh, denke ich, das ist ja schon mal was. Derweil probiere ich ein wenig Baby-led Weaning, denn ich habe so das GefĂŒhl, das gefĂ€llt dem Bub. Das StĂŒck Gurke mag er, auch den Apfelschnitz. Es bleibt beim Herumlutschen, denn ZĂ€hne sind halt noch keine da. Die schöne, superweiche Avocado allerdings, die man mit der Zunge zerdrĂŒcken könnte, verschmĂ€ht er.

Dann halt wieder Pastinake-Karotte. Es wird! In 2 Wochen werde ich dann mal mit dem Abendbrei starten – der war seinen Geschwistern auch viel lieber als das geschmacklose GemĂŒse zur Mittagsmahlzeit. Und das GlĂ€schen mit Spaghetti Bolognese steht ebenfalls bereit. Ich kenne nĂ€mlich kein Kind, das diese Geschmacksrichtung verweigert hĂ€tte.

Derweil werde ich auch wieder zur Expertin fĂŒr Fleckenentfernung: So von wegen in die Sonne legen gegen die orangenen Karotte-KĂŒrbis-Hinterlassenschaften. Ich experimentiere mit Konsistenzen (eher fester oder eher flĂŒssiger?), verfluche den PĂŒrierstab (lieber im Mixer, zumindest am Anfang, wenn wirklich keine StĂŒcke drin sein sollen) und, ja, ich lese wieder Ratgeber.

Fahrplan fĂŒr die Beikostphase

Praktischerweise schreibe ich an einem mit – an diesem Portal nĂ€mlich und weiß immer, wen ich fragen kann. Und um unser Expertenwissen zu teilen, haben wir ĂŒbrigens eine tolle Infografik fĂŒr euch entworfen, die euch durch Babys erstes Jahr fĂŒhrt. Vom ersten Brei bis hin zum eigenstĂ€ndigen Essen mit der ganzen Familie – es ist immer wieder unfassbar, was alles in solch einer kurzen Zeitspanne passiert! Ich seh mich jetzt schon am Tisch sitzen und mit einem Kleinkind kĂ€mpfen, das plĂ€rrt „Mammaaaaaaaaa, ich will die Nudeln doch nur mit ohne Soße!!!“.

Ach, wenn ich es mir recht ĂŒberlege, dann ist diese Breiphase doch eigentlich noch recht chillig, im Vergleich zu dem, was noch kommt. Darauf eine Pastinake!

Foto: Fotolia/Kaesler Media

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