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Eltern-Wissen leicht gemacht: 8 Fakten zum Thema Kindermilch

Kindermilch

Kindermilch ist eines der Produkte im Bereich der Kleinkind-Ernährung, zu dem es immer wieder unterschiedliche Meinungen und auch eine Reihe von Fragenzeichen gibt. Wir haben hier einige Fakten zusammengetragen, die das Thema etwas genauer beleuchten und die der Frage nachgehen: Was genau ist Kindermilch eigentlich, was macht sie besonders und auf was sollte ich achten, wenn ich meinem Kleinkind Kindermilch gebe?

1. Kindermilch ist eine Milch speziell für Kleinkinder.

Kindermilch ist speziell für Kleinkinder entwickelt worden. Es gibt sie je nach Hersteller in den Stufen 1+ (ab 1 Jahr) und 2+ (ab 2 Jahren). Kindermilch kombiniert durch ihre spezielle Zusammensetzung die Vorteile von Vollmilch, fettarmer Milch und Folgemilch.

Sie unterscheidet sich also durch ihre Zusammensetzung und durch ihre Zielgruppe (Kleinkinder zwischen dem 1. und dem 3. Geburtstag) von der Milchnahrung für Säuglinge. Diese wurde für Babys bis zum 1. Geburtstag entwickelt und ist als Pre- und 1er-Milch für Neugeborene sowie für ältere Babys nach dem 6. Monat unter der Bezeichnung 2er- und 3er-Folgemilch erhältlich.

2. Kindermilch ist auf Kuhmilch-Basis entwickelt.

Die Basis der Kindermilch ist Kuhmilch, deren Eiweißgehalt reduziert wurde. Zudem wird sie mit bestimmten Nährstoffen und Vitaminen angereichert – darunter Vitamin D, Jod und mehrfach gesättigte Fettsäuren. Spezielle Verfahren der Sprühtrocknung verarbeiten die flüssige Milch dann zu Pulver.

3. Kindermilch enthält zusätzliches Vitamin D.

Vitamin D nennt man auch das „Sonnenvitamin“, da es unter Einfluss von UVB-Strahlung über die Haut gebildet wird. In den sonnenarmen Monaten im Herbst und Winter erfolgt eine entsprechend geringere Bildung des Vitamins, das für die Knochenwachstum und -entwicklung sehr wichtig ist.

Daher ist es sinnvoll, in der sonnenarmen Zeit zusätzliches Vitamin D einzunehmen. Bei Babys im ersten Lebensjahr erfolgt dies über die Gabe von Tabletten oder Tropfen. Auch bei Kleinkindern sollte man über zusätzliches Vitamin D nachdenken. Das kann wie im Babyalter über eine Tablettengabe funktionieren.

In Kindermilch ist Vitamin D zugefügt, so dass die Vitamin-D-Speicher auch auf diesem Weg aufgefüllt werden können. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Deutschland, Österreich und die Schweiz für Kleinkinder in den Wintermonaten eine Zufuhr von 20 Mikrogramm (μg) Vitamin D pro Tag. In Kindermilch sind je nach Altersstufe zwischen 0,6 und 3,0 Mikrogramm Vitamin D pro 100 Milliliter enthalten. So können zwei Becher oder Gläser Kindermilch mit durchschnittlich 200 ml bis zu 50 Prozent des Tagesbedarfs von Ein- und Zweijährigen an Vitamin D decken.

Weitere Informationen zu dem Thema bietet unser Artikel zum Thema Vitamin D mit vielen Fakten und einer ausführlichen Infografik.

4. Der Eiweiß-Gehalt von Kindermilch ist reduziert.

Studien haben ergeben, dass Kleinkinder und Kinder in Deutschland verhältnismäßig viel Eiweiß zu sich nehmen – mehr als die gängigen Ernährungsempfehlungen vorsehen. Darüber hinaus wird in den Studien ein über die Maßen hoher Eiweiß-Konsum im Kleinkind-Alter mit einer erhöhten Tendenz zu Übergewicht im Grundschulalter in Verbindung gebracht.

Was also tun? Unsere Infografik zum Thema Eiweiß zeigt anschaulich, wie viel Eiweiß in den entsprechenden Lebensmitteln enthalten ist. Diese Werte kann man ganz gut als Anhaltspunkt nehmen.

An diesem Punkt setzt auch die Kindermilch an. Der Gedanke: Durch ihren reduzierten Eiweißgehalt trägt sie dazu bei, den täglichen Gesamtkonsum an Eiweiß zu senken. Man könnte also vereinfacht sagen: Die empfohlene Menge von 300 bis 330 ml Milch und Milchprodukten am Tag (Käse, Quark, Joghurt und Co zählen da nämlich auch dazu!) ist dann nicht so schnell erreicht.

5. Kindermilch enthält mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Fett ist nicht gleich Fett: Es gibt ungesättigte und gesättigte Fettsäuren, tierische und pflanzliche Fette. Insbesondere ungesättigte Fettsäuren sind beispielsweise besonders wertvoll für die Entwicklung von Gehirn und Nerven. Lebensmittel mit einem hohen Anteil an diesen Fettsäuren sollten daher regelmäßig Teil des Speiseplans sein (unser Artikel zum Thema Öle und Fette liefert euch einen ausführlichen Überblick zu dem Thema).

Durch ihren Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren kann Kindermilch dazu beitragen, diesen wichtigen Bestandteil der täglichen Ernährung von Kleinkindern zu bedienen.

6. Ideal sind ein bis zwei Gläser Kindermilch am Tag.

Die empfohlene Menge an Kindermilch orientiert sich an den allgemeinen Empfehlungen für eine ausgewogene Kleinkind-Ernährung. In deren Rahmen wird wie oben erwähnt eine tägliche Menge von 300 bis 330 ml Milch empfohlen – wobei eben auch Milchprodukte wie Joghurt und Käse dazuzählen. Zwei kleine Becher Kindermilch liefern etwa 200 ml und lassen noch genug Platz für weitere Milchprodukte.

Ob die Kindermilch dabei morgens und abends zu den Mahlzeiten gegeben wird oder zwischendurch, ist dabei unerheblich. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Kinder die Milch in einem Glas oder Becher bekommen und nicht in einer Nuckelflasche. So lernen sie selbständiges Trinken, auch die Zahngesundheit spielt hier eine Rolle (Stichwort: Nuckelkaries).

Getränke wie Wasser, ungesüßter Tee oder stark verdünnte Saftschorle sollten natürlich zusätzlich auf den Tisch kommen – denn Milch ist kein Getränk im eigentlichen Sinne und zum Durstlöschen ungeeignet. Mehr zum Thema Trinken findet ihr in unserem Artikel über Saft, Wasser und Co.

7. Die Rezepturen haben sich weiterentwickelt.

Das Thema Kindermilch wurde in der Vergangenheit durchaus kontrovers diskutiert. Kritische Stimmen merkten unter anderem an, dass die Zusammensetzung für Kleinkinder nicht optimal sei und die enthaltenen Nährstoffe im Rahmen einer optimierten Mischkost ohnehin in ausreichendem Maße zugeführt werden. Auch das Thema Zucker und Aromastoffe spielte eine Rolle, ebenso wie der Fett- und damit der Kaloriengehalt von Kindermilch.

Diese Kritik hat in der Tat dazu geführt, dass die Rezepturen einer Reihe von Kindermilch-Produkten angepasst wurden. Ein wichtiger Orientierungspunkt sind dabei die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). In diesen geht es beispielsweise um den Fettgehalt sowie enthaltene Nährstoffe.

So entspricht der Fettgehalt von moderner Kindermilch analog zu den ausgesprochenen Empfehlungen in vielen Fällen dem teilentrahmter Kuhmilch (1,5 Prozent Fett). Auf zugesetzten Zucker und Aromastoffe wird verzichtet. Mehr Klarheit für Verbraucher schaffen die auf den Packungen angegebenen Inhaltsstoffe – die man sich durchaus einmal aufmerksam durchlesen sollte. 

8. Kindermilch ist ein streng kontrolliertes Lebensmittel.

Wie für Säuglings- und Babynahrung gelten auch für Lebensmittel zur Ernährung von Kleinkindern im Alter von 1 bis 3 Jahren besondere Vorschriften, da diese über das Diätrecht erfasst werden. Die Diätverordnung stellt dabei strenge Anforderungen hinsichtlich der Zusammensetzung und Kennzeichnung.

So haben diese beispielsweise besondere Anforderungen an Zusatzstoffe. Und sie müssen im Vergleich zu „normalen“ Lebensmitteln (unter die im Übrigen auch die sogenannten „Kinderlebensmittel“ fallen, die nicht mit Altersangaben versehen sind) sehr viel strengere Grenzwerte bei Pestizidrückständen oder Schadstoffen einhalten.

Zu den relevanten Produktgruppen zählen neben Kindermilch beispielsweise Kinderbrei, Müsli, Fruchtriegel, Kekse oder „Quetschies“ mit Fruchtpüree. Wie alle speziell für Kinder hergestellten Lebensmittel unterliegt auch Kindermilch der strengen Gesetzgebung der Diätverordnung.

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Mehr zum Thema Milch, Kindermilch sowie weitere Milchsorten beziehungsweise Milchalternativen für Kleinkinder findet ihr in diesem Artikel.

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