Ernährung Ratgeber

Schadstoffe in Kinder-Lebensmitteln: Was du wissen solltest

Veröffentlicht am 2. August 2022

Was soll mein Kind essen? Wie finde ich die richtigen Lebensmittel, die meinem Kind gut tun? Und was ist mit Schadstoffen in der Nahrung? Die Welt junger Eltern ist ganz schön komplex. Immer wieder gibt es neue Schlagzeilen über Rückstände und schädliche Substanzen in Produkten, die zum Alltag vieler Familien gehören.

Gar nicht so leicht, da den Überblick zu behalten und die täglichen Gerichte zu planen. Gerade wenn Babys und Kleinkinder mitessen, die man natürlich besonders schützen möchte.

Wir haben das zum Anlass genommen, um mit der Münchner Ernährungswissenschaftlerin Dr. Bettina Dörr über das Thema Schadstoffe in der Baby- und Kleinkindnahrungzu sprechen. Sie erklärt den gesetzlichen Rahmen und gibt ganz konkrete Tipps für das Einkaufsverhalten im Alltag

Worauf sollte ich beim Einkauf achten? Die Expertin gibt Tipps

Liebe Frau Dr. Dörr, das Stichwort Schadstoffe in der Nahrung ist gerade für Eltern ein Riesen-Thema. Ist es aus Ihrer Sicht denn wirklich so wichtig, sich darüber Gedanken zu machen? Oder ist die Furcht vor den Schadstoffen im Essen eher übertrieben?

Man muss schon klar sagen: Es wird sich nie ganz vermeiden lassen, dass Schadstoffe aus dem Boden, der Luft oder der Verpackung in Lebensmitteln nachweisbar sind. Allerdings werden welt-, EU- und deutschlandweit viele Anstrengungen unternommen, den Schadstoffgehalt möglichst gering zu halten.

Jeder Lebensmittelunternehmer ist in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass das Lebensmittel, das er verkauft, sicher ist. Dies ist das Ergebnis von strengen Qualitäts- und Kontrollmaßnahmen vom Feld bis in die verpackte Ware. Es gibt viele Verordnungen, in denen geregelt ist, wie hoch der Gehalt an möglicherweise  schädlichen Stoffen in den Zutaten und im fertigen Lebensmittel maximal sein darf. Das beginnt beim Einkauf der Zutaten und endet bei der Vermarktung in der Verpackung.

Bei den Meldungen in den Medien sollte man auch daran denken, dass unsere Analysenmethoden immer genauer werden und dass auch gerne mit Schlagzeilen Angst verbreitet wird, die – wenn man genauer hinschaut – so nicht stimmen oder in der Praxis nicht von Bedeutung sind.

Die Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder gehören aufgrund dieser speziellen und sehr viel strengeren Verordnung zur Zusammensetzung somit zu den sichersten Lebensmitteln.

In der sogenannten Diät-Verordnung ist vom Gesetzgeber festgelegt, wie hoch beispielsweise der Grenzwert für Pestizide in Kleinkind-Nahrung sein darf. Nämlich 0,01 Prozent Pestizid pro 100 mg. Wie erkenne ich denn, dass das Lebensmittel, das ich in der Hand halte, diesen Grenzwert auch einhält?

Säuglingsnahrung und Kleinkindnahrung zählen zu den Lebensmitteln, die für empfindliche Zielgruppen gedacht sind. Daher gibt es eine spezielle Verordnung, die noch höhere Anforderungen an die Zusammensetzung stellt als für die „normalen“ Lebensmittel.

Der Hersteller muss für die Einhaltung der vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwerte „gerade“ stehen. Es gibt bestimmte Produktkategorien, die für diese speziellen Lebensmittel kennzeichnend sind wie Säuglingsanfangsnahrung oder Beikost.

Die Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder gehören aufgrund dieser speziellen und sehr viel strengeren Verordnung zur Zusammensetzung somit zu den sichersten Lebensmitteln.

Produkte aus dem Handel: Darauf kommt es an

Woran erkennte ich diese Lebensmittel denn? Steht das auf der Verpackung?

Als Faustregel kann man sagen: Wo eine konkrete Altersangabe drauf steht, wie auf den Beikostgläschen, handelt es sich um ein Produkt der speziellen Kategorie. Auch Milchnahrung gehört dazu oder die Kleinkind-Lebensmittel mit der Angabe „1 bis 3 Jahre“.

Nur das Wort „Kind“ oder „Kinderlebensmittel“ reicht in der Regel nicht aus. Das ist in der Tat etwas verwirrend, weil oftmals alles nebeneinander im Regal im Supermarkt oder in der Drogerie steht.

Auch für Bio-Siegel gelten übrigens klare Vorschriften und Voraussetzungen, die eingehalten werden müssen. Diese Siegel kann man nicht einfach so verwenden

Schadstoffe: Kontrolle ist wichtig

Wer legt die geltenden Grenzwerte eigentlich fest? Und wer kontrolliert das?

Mittlerweile werden diese Grenzwerte größtenteils EU-weit festgelegt. Es gibt eine europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die EFSA, die sich die Sachlage anschaut, bewertet und dem Gesetzgeber dann Vorschläge macht, welche Werte festgelegt und per Verordnung verabschiedet werden.

Kontrolliert wird die Einhaltung vom Unternehmen selbst, aber auch durch die nationalen Überwachungsbehörden. Diese machen Stichproben im Handel, gehen aber auch direkt zu den Unternehmen und schauen sich den Produktionsprozess und die Unterlagen an.

Es ist ein Unterschied, ob ich Brokkoli im Supermarkt kaufe oder ob der Brokkoli in einem Beikostgläschen landet.

Kommen wir nochmal auf die Baby- und Kleinkind-Produkte zurück, die es im Handel gibt. Also beispielsweise die Beikostgläschen oder auch spezielle Kinder-Menüs für Kleinkinder. Können Sie ein Beispiel dafür geben, wie die Unternehmen gewährleisten, dass alles, was drin landet auch wirklich sicher ist?

Hersteller dieser Spezialprodukte lassen schon bei der Rohstoffauswahl  eine besondere Sorgfalt walten. Es ist ein Unterschied, ob ich Brokkoli im Supermarkt kaufe oder ob der Brokkoli in einem Beikostgläschen landet.

Da wird eine besondere Sorte ausgewählt. Es wird aber auch auf die Anbau-Gegend geachtet, damit beispielsweise klimatische  Bedingungen vorhanden sind, die Schadinsekten eher abhalten. Geerntet wird dann, wenn der Nährstoffgehalt optimal ist.

Da spielen also ganz viele Aspekte eine Rolle. Schauen Sie sich doch mal die Websites der einzelnen Unternehmen an, da werden wirklich viele Informationen bereitgestellt, auf was im Einzelnen geachtet wird.

Einkaufen für den ersten Brei

Lassen Sie uns jetzt noch einmal ganz konkret werden: Ich bin auf Einkaufstour und will für den ersten Brei meines Babys einkaufen. Auf was achte ich?

Wenn Sie die Zutaten frisch kaufen, würde ich immer auf Bio-Ware setzen. Dazu noch schauen, was regional und saisonal gerade im Angebot ist. Wobei natürlich auch die Tomate von nebenan mit Pestiziden belastet sein kann. Trotzdem ist der Dreiklang Bio-regional-saisonal ein guter Anhaltspunkt.

Bei den gekauften Produkten würde ich mich vorab informieren, was die einzelnen Hersteller unternehmen, um die Qualität ihrer Produkte sicherzustellen. Da hat man heute über das Internet viele Möglichkeiten, schnell Informationen zu bekommen und zu vergleichen.

Wenn ich weiß, was mir wichtig ist, kann ich auch gut informiert eine bewusste Auswahl treffen. Als nächstes ist natürlich auch entscheidend, was meinem Baby schmeckt. Da hilft dann nur Ausprobieren.

Kleinkind-Alter: Wie geht es weiter am Familientisch?

Nächste Situation: Mein Baby ist nun 1 Jahr alt und isst am Familientisch mit. Gelten dann immer noch die gleichen Tipps oder kann ich im Kleinkind-Alter ein bisschen „lässiger“ werden was das Thema Schadstoffe in Lebensmitteln angeht?

Natürlich ist ein Säugling oder ein Kleinkind empfindlicher als ein Erwachsener. Aber auch als Erwachsener möchte niemand seinen Organismus mit Schadstoffen belasten. Generell müssen Lebensmittel sicher sein, die auf dem Markt erhältlich sind.

Es ist eine grundsätzliche Frage, die sich jeder stellen sollte, ob ihm die allgemeinen Vorgaben ausreichen oder ob er mehr Wert auf besondere Qualitätsmerkmale legt wie Regionalität, Bio, natürliche Zutaten, Verarbeitungsgrad, Zuckergehalt, Vollkorn … Da gibt es so viele Aspekte, die bei der Kauf-Entscheidung eine Rolle spielen.

Säuglinge, Kleinkinder und auch spezielle erwachsene Zielgruppen haben einen empfindlicheren Organismus. Das heißt aber nicht, dass ihnen die allgemein erhältlichen Lebensmittel generell schaden. Denn wie gesagt, auch wenn es mal ein schwarzes Schaf gibt, es werden in Deutschland wirklich viele Anstrengungen unternommen, sowohl von den Herstellen selbst als auch von den Überwachungsbehörden, damit der Verbraucher sichere Lebensmittel bekommt.

 

Dr. Bettina Dörr

Dr. Bettina Dörr

Zur Person

Dr. Bettina Dörr ist Ernährungswissenschaftlerin und beschäftigt sich seit vielen Jahren aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht mit dem Thema Ernährung. Eines ihrer Spezialgebiete ist dabei Regulatory Affairs. Dabei geht es um die Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen, beispielsweise bei der Zulassung neuer Produkte. In dieser Funktion berät sie  Unternehmen von der Produktidee bis hin zur Markteinführung. Für die Aktion Kleinkindernährungist sie als unabhängige Expertin tätig und in dieser Funktion Teil unseres erweiterten Redaktionsteams.

Mehr Informationen zu ihr findest du unter www.dr-bettina-doerr.de

Die wichtigsten Fakten aus dem Interview in Kürze

  • Produktkategorien wie Säuglingsanfangsnahrung und Beikost unterliegen strengen Qualitätskriterien
  • Geregelt sind die Vorgaben in der so genannten Diätverordnung
  • Allerdings muss man genau hinsehen: Eine reine Bezeichnung „Für Kinder“ oder „Kinderlebensmittel“ reicht nicht aus.
  • Eine Altersangabe auf der Verpackung weist in der Regel darauf hin, dass es sich um ein spezielles Lebensmittel handelt, das besonders streng geprüft wird.
  • Auch Bio-Siegel sind geschützt und dürfen nicht einfach so verwendet werden.
  • Bei frischen Lebensmitteln solltet ihr für Babys und Kleinkinder Bio-Qualität wählen, um beispielsweise den Babybrei zuzubereiten.

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