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Viel ist nicht immer gut: Fakten zur Eiweiß-Zufuhr im Kleinkinder-Alter

Veröffentlicht am 14. September 2016
Infografik: Eiweiß für Kleinkinder

Inhalt:
1. Studien: Auch auf die Eiweißmenge achten
2. Auf Maß und Qualität achten
3. Kindermilch als Alternative
4. Unsere Checkliste zum Thema Eiweiß

Eiweiß ist ein zentraler Baustein der Ernährung – auch und gerade im Kleinkindalter. Es unterstützt das Wachstum, den Muskelaufbau, das Immunsystem und die Hormonbalance. Doch während Eiweiß unverzichtbar ist, zeigt sich: Viele Kinder essen heute zu viel davon.

Wichtiger als die reine Menge ist daher die Qualität der Eiweißquellen. Neben Milch und Milchprodukten liefern auch pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Getreide oder Nüsse wertvolles Eiweiß.

In diesem Artikel erfährst du,

  • warum ein Zuviel an Eiweiß problematisch sein kann,
  • wie du den täglichen Eiweißbedarf deines Kindes richtig einschätzt,
  • und welche Lebensmittel sich für eine ausgewogene Ernährung eignen.

Am Ende findest du außerdem unsere Checkliste zur Eiweißzufuhr bei Kleinkindern und eine Grafik mit den wichtigsten Eiweißlieferanten.

Studien: Auch auf die Eiweißmenge achten

Studien zur Kleinkind-Ernährung  kommen zu interessanten Ergebnissen: Ein konstantes Zuviel an Eiweiß im Kleinkindalter kann nämlich zu einem erhöhtem BMI und Fettanteil im Grundschulalter führen. Das bedeutet: Nicht nur ein Übermaß an Zucker und Fett kann dick machen, sondern auch zu viel Eiweiß.

Drei weitere spannende Studien-Ergebnisse

  1. Kinder in Deutschland trinken durchschnittlich zu viel Milch und essen zu viele Milchprodukte sowie fettreiche und verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren.
  2. Obst und Gemüse sowie Vollkorn-Produkte kommen ebenso wie Fisch zu wenig auf den Tisch.
  3. Getrunken wird  ebenfalls zu wenig. Weniger als die empfohlenen sechs Trinkportionen am Tag und dann auch oftmals noch die falschen Getränke, nämlich Limonaden und andere gesüßte Getränke statt Wasser, Tee oder dünne Saftschorle.

Ein heikles Thema, dem man als Eltern gegenübersteht, denn Milch wie Kuhmilch oder Kindermilch sowie Milchprodukte gehören wie Fleisch und Wurst für viele Familien zur täglichen Kost. Diese Nahrungsmittel komplett zu streichen ist aber gar nicht notwendig und auch nicht sinnvoll, da sie neben Eiweiß noch viele weitere Nährstoffe enthalten, die wichtig für Wachstum und Entwicklung sind. B-Vitamine und Kalzium beispielsweise. Man sollte aber auf auf die Menge und die Qualität achten.

MERKE: Problematisch sind insbesondere Produkte, die nicht nur eiweiß- sondern gleichzeitig auch fettreich sind.

Wichtig: Eiweiß an sich ist nicht „schlecht“, sondern ein wichtiger Baustein der Ernährung. Es kommt aber darauf an, wie es „verpackt“ ist und auch, ob es sich um tierisches oder pflanzliches Eiweiß handelt. Letzteres ist besonders wertvoll, gerade wenn man tierisches Eiweiß reduzieren möchte.  Es ist beispielsweise in Hülsenfrüchten enthalten, aber auch in Vollkornprodukten (auch in Vollkorn-Pasta!), Haferflocken oder „Pseudo-Getreide“ wie Quinoa.

Wie viel Milch ist gut für mein Kind?

Das Maß macht wie so oft die Musik: Als Richtlinie werden für Kleinkinder bis zum 3. Geburtstag pro Tag 300 bis 330 ml Milch empfohlen. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass diese Menge reduziert werden sollte, wenn zusätzlich auch viele Milchprodukte gegessen werden. So entsprechen 30g Weichkäse oder 15g Schnittkäse jeweils 100 ml Milch. Auch Quark, Joghurt und Frischkäse gehören dazu.

Hat man dann den Eindruck, der Speiseplan der kleinen Familienmitglieder ist zu eiweißlastig, kann man gegensteuern:

  • Die Portionen an Gemüse erhöhen (Obst wird meist ausreichend verzehrt). Die Milchmenge sowie den Verzehr von Milchprodukten auf die empfohlenen Mengen reduzieren.
  • Wurst etwas sparsamer auf den Tisch bringen und fettärmere Varianten wie mageren Schinken wählen.
  • Fisch hingegen darf es ruhig öfter mal geben, denn er beliefert den Körper mit wichtigem Jod und Omega3-Fettsäuren.
  • Hülsenfrüchte sind ebenfalls proteinreich, sollten aber in der Kleinkindernährung nicht fehlen und liefern wertvolle Ballaststoffe, Mineralien und Vitamine – keine Angst vor Blähungen! Die meisten Kinder vertragen Erben, Linsen und Co sehr gut. Statt Butter schmeckt Nussmus als Brotaufstrich und liefert pflanzliches Eiweiß, Fette und Ballaststoffe.

Die einfache Faustformel lautet: Abwechslung in den Speiseplan bringen!

Kindermilch als Alternative zu Kuhmilch?

Kindermilch ist eine Milch, die auf die Bedürfnisse von Kleinkindern im  2. und 3. Lebensjahr angepasst wurde. Tatsächlich hat man dabei den Eiweiß-Gehalt mitgedacht und ihn reduziert – aus den oben genannten Gründen. Daher werben die Hersteller damit, dass man hier eine Alternative zur Kuhmilch hat, die einerseits mit bestimmten Nährstoffen angereichert ist (beispielsweise mit Vitamin, Jod und Kalzium) andererseits aber im Eiweißgehalt reduziert wurde.

Kindermilch ist einsetzbar wie jede andere Milch und schmeckt auch im Müsli oder mit pürierten Früchten als Obstmilch zum Frühstück. Sie ist nicht essenziell, wird aber als Alternative angeboten. Am Ende ist es wie bei anderen Lebensmitteln und Produkten deine Entscheidung, ob ihr das als Familie auch so seht.

Unsere Checkliste zum Thema Eiweiß

Du hast noch viele Fragezeichen? Schau dir unsere Grafik an, sie fasst alles Wichtige aus diesem Beitrag zusammen!

 


Eiweiß-Zufuhr Kleinkinder

 

Häufig gestellte Fragen

Warum ist Eiweiß für Kleinkinder wichtig?

Eiweiß wird für Wachstum, Zellaufbau und wichtige Stoffwechselprozesse benötigt. Kleinkinder brauchen Eiweiß - allerdings sind Kinder in Deutschland grundsätzlich ganz gut versorgt mit Eiweiß, da sich der Bedarf in der Regel über die Nahrung gut decken lässt.

Ist zu viel Eiweiß für Kleinkinder problematisch?

Tatsächlich: Ja.Viele Kinder und auch Kleinkinder nehmen mehr Eiweiß als empfohlen zu sich. Das liegt vor allem am hohen Anteil von tierischen Produkten in der täglichen Ernährung, wie Fleisch, Wurst und Milchprodukte. Eine dauerhaft zu hohe Eiweißzufuhr kann den Stoffwechsel belasten und wird in Studien zudem in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für späteres Übergewicht gebracht.

Wie lässt sich der Eiweißbedarf altersgerecht decken?

Am besten durch eine abwechslungsreiche Familienkost mit moderaten Mengen an Milchprodukten, Fleisch, Fisch oder Eiern sowie pflanzlichen Eiweißquellen wie Hülsenfrüchten und Getreide. Zusätzliche Eiweißprodukte sind nicht notwendig.

Welche Eiweißquellen sind für Kleinkinder besonders geeignet?

Kleinkinder profitieren von einer Mischung aus tierischen und pflanzlichen Eiweißquellen. Gut geeignet sind z. B. Milch und Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch, aber auch Hülsenfrüchte, Getreide und Nüsse bzw. Nussmuse(altersgerecht verarbeitet). Die Kombination verschiedener Quellen verbessert die Eiweißqualität.

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