Bei vielen Kindern steht Saft hoch im Kurs: Apfel, Orange, Johannisbeere oder Mango peppen âlangweiligesâ Wasser auf, schmecken sĂŒĂ und fruchtig und kommen deswegen bei vielen Familien gerne auf dem Tisch. Doch wie so oft gibtâs auch da immer wieder Fragezeichen. Vor allem der Zuckergehalt bereitet Eltern Kopfzerbrechen, was auch nicht von der Hand zu weisen ist â immer wieder gibt es Untersuchungen und Studien, die belegen: SĂ€fte enthalten ganz schön viel Zucker.
Nicolas Ting, ErnĂ€hrungswissenschaftler und einer der Experten der Aktion Kleinkind-ErnĂ€hrung, rĂ€t dennoch, das Thema ganz entspannt anzugehen. Denn Saft als GetrĂ€nk gleich ganz zu verbannen, hĂ€lt er fĂŒr ĂŒbertrieben. Zumal Saft nicht gleich Saft ist: Es gibt beispielsweise einen Unterschied zwischen Direktsaft, Saftkonzentrat, Fruchtsaftschorle, Fruchtnektar und FruchtsaftgetrĂ€nk.
Saft ist nicht gleich Saft
Den höchsten Fruchtgehalt, nÀmlich 100 Prozent hat Direktsaft, der gepresst und meistens auch noch pasteurisiert wird, damit er haltbar bleibt.
Auch Saft aus Konzentraten hat einen Fruchtgehalt von 100 Prozent. Hier wird allerdings der Saft bei der Herstellung erst eingedickt und damit haltbar gemacht. AnschlieĂend wird dieses Konzentrat mit Wasser aufgefĂŒllt.
Fruchtnektar ist eine Kombination aus Fruchtsaft beziehungsweise Fruchtmark und Wasser sowie Zuckerarten oder Honig. Der Mindestfruchtgehalt betrÀgt zwischen 25 und 50 Prozent, je nach verwendeter Fruchtart.
Schorlen sind eine Mischung aus Fruchtsaft und Wasser, fertig gemischte Produkte aus dem Handel mĂŒssen 50 Prozent Fruchtsaft enthalten. Daraus ergibt sich hĂ€ufig ein MischverhĂ€ltnis von 50 Prozent Wasser zu 50 Prozent Fruchtsaft. Fachgesellschaften empfehlen jedoch fĂŒr Kinder, Saftschorlen im VerhĂ€ltnis 2:1 (2 Teile Wasser, 1 Teil Saft) oder besser sogar noch 3:1. (LINK intern) zu mischen. Mit einer selbst gemischten Schorle können sie das VerhĂ€ltnis von Saft zu Wasser selbst wĂ€hlen und sind somit auf der sicheren Seite. AuĂerdem wird regelmĂ€Ăig festgestellt, dass in fertig gemixten Schorlen zu viel Zucker enthalten ist â daher besser selber mischen.
Ganz schön viel Zucker
Die SĂŒĂe des Saftes lĂ€sst ahnen: Da Saft durch die enthaltenen FrĂŒchte natĂŒrlicherweise Zucker enthĂ€lt, ist der Zuckergehalt relativ hoch. So enthalten 100 ml Apfelsaft tatsĂ€chlich 11g Zucker, was etwa 4 WĂŒrfeln entspricht. âDaher sollte man SĂ€fte am besten nur verdĂŒnnt als Schorle trinkenâ, sagt Nicolas Ting. Tings Favorit: âNaturtrĂŒber Apfelsaft aus biologischem Anbau.â Kleiner Tipp: SĂ€fte fĂŒr Babys und Kleinkinder sind besonders schadstoffarm.
Die Pro-Argumente: Von TrinkspaĂ, Energie und Vitaminen
Die Vorteile von SĂ€ften und Saftschorlen aus Elternsicht: Man kann zum einen die Trinklust der Kinder steigern und statt schnödem Wasser erst einmal eine Schorle anbieten. Studien belegen, dass Kleinkinder in Deutschland oftmals zu wenig FlĂŒssigkeit zu sich nehmen â und wenn, dann oftmals die falschen, nĂ€mlich gezuckerte GetrĂ€nke wie Limonade. (LINK intern) âDa ist eine selbst gemischte Saftschorle auf jeden Fall die bessere Wahlâ, betont ErnĂ€hrungsexperte Ting.. AuĂerdem sind sie erfrischend und machen auch als Vitaminlieferant eine gute Figur, beispielsweise bei Vitamin A und C. Vitamin C erhöht unter anderem die Eisenaufnahme aus dem Fleisch â daher ist eine dĂŒnne Schorle auch ein guter Begleiter zum Mittag- oder Abendessen.
Und was gegen Saft spricht: Von Zucker bis Karies
Die Nachteile, vor allem von purem Saft,, neben dem hohen Zuckergehalt sprechen allerdings auch fĂŒr sich: So macht sĂŒĂ recht schnell wieder durstig. Zudem könnten sich die Kinder schnell an den sĂŒĂen Geschmack und den steten Zuckernachschub gewöhnen und dann beispielsweise normales, pures Wasser ablehnen. Auch die Kariesgefahr ist nicht zu unterschĂ€tzen.
Unser Tipp: Alternativen ĂŒberlegen
Einfach umzusetzen ist der erste Tipp von ErnĂ€hrungswissenschaftler Nicolas Ting: Angepresste, geschnittene oder ganze FrĂŒchte kommen einfach ins Wasserglas. Beispielsweise Orangen, dabei am besten auf Bio-QualitĂ€t achten, da hier das Obst ungespritzt ist. Im Sommer gerne auch eisgekĂŒhlt aus dem KĂŒhlschrank.
Wer einen Entsafter hat, kann sich seinen Saft selbst herstellen. Damit lĂ€sst sich auch prima GemĂŒsesaft herstellen. Probiert doch mal einen leckeren Karottensaft, der sich ebenfalls gut als Schorle mixen lĂ€sst? Er schmeckt nicht nur lecker, sondern enthĂ€lt auch sehr viel weniger Zucker als Fruchtsaft. Und liefert dafĂŒr eine Reihe toller Vitamine und NĂ€hrstoffe.
Auch Smoothies sind schnell gemixt. Genauso wie die Zubereitung im Entsafter hat man hier den Vorteil, dass der Saft unmittelbar nach der Verarbeitung auch verzehrt wird. Frisch und fruchtig also, genau so wie es sein soll.
GrundsĂ€tzlich gilt: Saft und Schorlen sind in MaĂen eine schöne ErgĂ€nzung fĂŒr den tĂ€glichen Speiseplan. Kleinkinder sollten aber in erster Linie Wasser oder Tee trinken, um den Durst zu löschen. Mehr Infos zum Thema âWas soll mein Kind trinkenâ findet ihr in unserem Artikel dazu.

